Dada-Ereignis-Themenpfade

Im Rahmen der School of Dada hat das Cabaret Voltaire Dada-Ereignis-Themenpfade entwickelt, welche neben den Führungen und Publikationen, wie der Dada Stadt Zürich Karte dem Dada Hand Buch zum Vermittlungsprogramm des Cabaret Voltaire gehören.

Ziel
Über vier verschiedene Dada-Ereignis-Themenpfade werden der historische Kontext Dadas sowie die dadalogischen Dimensionen vermittelt und mittels praktischen Übungen einzelner Stationen in der Stadt Zürich erfahrbar gemacht. Es werden den künstlerischen Gesten und inhaltlichen Anliegen der DadaistInnen nachgegangen und durch die SchülerInnen auf ihre Aktualität in der Gegenwart hin befragt.

Themen
Die vier Dada-Ereignis-Themenpfade führen jeweils vom Cabaret Voltaire aus zu diversen Dada Orten in der Stadt Zürich. Sie sind thematisch ausgerichtet und widmen sich den Sprechakten, der Provokation auf der Bühne, der politischen Propaganda sowie dem Readymade und der Selbstinszenierung.

Bedienungsanleitung
Lehrpersonen bereiten Inhalte im Unterricht vor, diskutieren sowie führen eigenständig Dada-Ereignis-Themenpfade und die dazugehörigen Aufträge durch. Die Unterlagen sind in diesem Sinne eine Leitfaden. So können sich Lehrpersonen je nach inhaltlichem oder praktischem Fokus ihr Arbeitsmaterial zusammenstellen.

Die Dada-Ereignis-Themenpfade können genauso gut von SchülerInnen selbst und ohne weitere Vorkenntnisse bearbeitet werden.

Loslegen
Die Dada-Ereignis-Themenpfade sind ab sofort zum Herunterladen frei zugänglich.

Altersgruppe
Sek II (ab 16 Jahren)

Rückmeldung
Wir freuen uns, wenn wir sehen, hören und lesen können, was die SchülerInnen aus den Dada-Ereignis-Themenpfaden gemacht haben. Schreiben Sie uns!

Unterstützung
Die Dada-Ereignis-Themenpfade konnten dank grosszügiger Unterstützung der Fondation USM und der Else von Sick Stiftung realisiert werden. 

Die dadalogischen Dimensionen

Mit Die dadalogischen Dimensionen wird ein umfassender Grundlagentext zu Dada mit einer Zitatesammlung und einem weiterführenden Literaturverzeichnis geboten. Diese Seiten dienen dazu die historischen Dimensionen von Dada besser zu verstehen und auch das heutige Potenzial darin zu entdecken. Das Dokument dient als Ausgangslage für eine weitere Beschäftigung mit Dada und als Hintergrund für die vier Dada-Ereignis-Themenpfade. 
 

Readymade – «Ich bin Kunst», Selbstinszenierung

«Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt ...» (Hugo Ball). Und weil Dada nichts bedeutet, bedeutet es das Leben! Lebenselixiere der Dadaisten sind das Paradox, die Selbstinszenierung und die Pose. Sie verwirren mit Pseudonymen: Welche Rolle spielt Samuel Rosenstock und welcher Künstler zeichnet sein Werk mit «R. Mutt»? Was treibt die «Dada-Baroness» an, ihre Person als lebendiges Gesamtkunstwerk zu deklarieren? Sind die Posen von Tristan Tzara, Hans Arp und Hans Richter vor dem Hotel Elite von Labans Körper-Raum-Theorie beeinflusst? Sie bluffen mit der Veröffentlichung von Falschmeldungen: Wie reagiert man 1918 in Zürich auf den Bericht eines Pistolenduells zwischen Arp und Tzara auf der Rehalp, wo auch Sophie Taeubers Marionette «Freudanalytikus» in einen Hirsch verwandelt wird? Wir widmen uns den Techniken des Bluffs, der Pose und der Selbstinszenierung.

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Sprechakte!

Während der Erste Weltkrieg tobt, ist die Schweiz ein «Vogelkäfig, umgeben von brüllenden Löwen» (Hugo Ball). Zürich wird zum Treffpunkt von Emigranten, Intellektuellen, Revoluzzern, Künstlern und Spionen. Am 5. Februar wird mitten im Niederdorf die «Künstlerkneipe Voltaire», später «Cabaret Voltaire» an der Spiegelgasse 1 eröffnet.

Wir manifestieren, gestikulieren, sprechen ohne Sprache und verfolgen die Spuren der Dadaisten der ersten Stunde: Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Tristan Tzara, Marcel Janco, Sophie Taeuber-Arp und Richard Huelsenbeck. Ihre Absicht: Gegen die rationale und wissenschaftliche Welterklärung das Magische zurück in die Welt holen und sich der zu politischer Propaganda verkommenen Sprache entledigen. Ihre Strategien: Laut- und Simultangedichte, Manifeste und Zeitschriften, Musik, Masken und Tanz. Begünstigt durch Neurasthenie und Dementia praecox – ihr Merkmal ist die Kakophonie – verbreitet sich Dada in der Welt.

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Provokation auf der Bühne

Ab 1914 versprühen literarische Cabarets und Variété-Theater Exotik und Unterhaltung Im zwinglianischen Zürich. Sie heissen «Bonbonnière» oder «Pantagruel». Im Varieté Maxim am Hirschenplatz treten Emmy Hennings und Hugo Ball mit Schlangenmenschen, Feuerfressern und Drahtseilkünstlern auf. Zur Zeit des Generalstreiks  verführen auch Kinoleinwände und Kaffeehäuser die Massen – zum Beispiel das Café Odeon als Treffpunkt von Exil-Intellektuellen, dessen Stil wienerisch und dessen Publikum kosmopolitisch ist.

Wir hören uns nach Anekdoten um und halten beim Bürkliplatz am Zürichsee Ausschau nach Hugo Balls versenkten Kriegsabzeichen. Wir erforschen, weshalb die letzte Dada-Soirée im April 1919 im «Kaufleuten» in einem Tumult enden musste, damit Dada weiterleben konnte. Und wir fragen, wie die Bühnen damals derart schockieren konnten und welche Bühnen uns heute zur Provokation zur Verfügung stehen.

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Politische Propaganda

Ob Lenin das Cabaret Voltaire tatsächlich besucht hat? Sicher ist: Von seinem Zuhause an der Spiegelgasse 14 aus hat der russische Revolutionär im Niederdorf Fingerabdrücke hinterlassen: in den Bibliotheken, bei den «Schwänlianern» oder im Arbeiterverein «Eintracht». Es stellt sich die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden einer ästhetischen und einer materiellen Revolution. Wir nehmen die Orte der Revolte unter die Lupe und ergründen, was sich hinter dem Tarnnamen «Kegelklub» verbirgt.

Die Dadaisten streuen Spekulationen, wie beispielsweise im Café de la Terrasse 1916, als Tristan Tzara das Wort «Dada» findet, während Hans Arp gerade eine Brioche im linken Nasenloch balanciert. Beeinflusst von der Werbung, verspotten sie die Propaganda, collagieren und publizieren mit Wörtern und Zeichen ohne Blatt vor dem Mund.

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